Neunkirchen – 30 Jahre Hüttenweg

Pressemitteilung Neunkirchen
 
 
 
 

Die eiserne Vergangenheit Neunkirchens

Neunkirchen. Am 4. Mai 1991 wurde der Neunkircher Hüttenweg eingeweiht und feiert damit in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Der beliebte Rundweg dient dazu, die Wurzeln der Neunkircher Geschichte lebendig in Erinnerung zu halten. Pandemiebedingt muss jedoch eine Jubiläumsfeier ausfallen.

Die Bedeutung des Hüttenweges

„Rat und Verwaltung der Stadt sahen es 1982 mit Schließung des Neunkircher Eisenwerkes als lohnende Bemühungen an, die von der Industrialisierung geprägten Lebenszusammenhänge in die Nacheisenzeit hineinzutragen“, schilderte der damalige Oberbürgermeister Friedrich Decker in seiner Eröffnungsrede die Beweggründe zur Einrichtung des Hüttenweges. „Es galt und gilt diese Geschichte zu bewahren und sie in Verbindung zu setzen zu neu Gewachsenem und weiter Wachsendem. Diesem Ziel sind wir mit dem Neunkircher Hüttenweg ein Stück nähergekommen!“ so Decker vor 30 Jahren – und diesem Statement kann sich der aktuelle Oberbürgermeister Jörg Aumann nahtlos anschließen. Denn aktuell wird mit dem Bau des Globusmarktes eine von der Großindustrie erzeugte Narbe verheilt. Nach dem Abriss großer Teile des Eisenwerkes (u.a. der Kokerei) wurde der Hüttenpark angelegt, der jedoch nur extensiv als Naherholungsfläche angenommen wurde. Durch den Umbau der Gebläsehalle wurde eine rückwärtige Andienungsstraße an die Veranstaltungshalle erforderlich, außerdem wurde zwischenzeitlich ein großer Parkplatz zur Entlastung der Innenstadt bereitgestellt. Nun wird diese ehemalige Industriefläche wieder bebaut und erhält einen verbesserten Anschluss zum Saarparkcenter und zur City. „Dies trägt zur Erweiterung des Stadtkerns in Richtung Osten bei, dessen Potential auch mit der Belebung der Saarbrücker Straße gefördert wird. Zur Naherholung bleibt weiterhin der Hüttenpark II, der Teil des LIK Nord Gebietes ist, als naturnahe Fläche erhalten. Der Hüttenweg, der die Erinnerungskultur Neunkirchens maßgeblich lebendig hält, erfährt durch die künftige Belebung dieses Bereichs mehr Aufmerksamkeit,“ hebt Oberbürgermeister Jörg Aumann hervor.

Die Wegführung

Der Hüttenweg führt vorbei an den einzelnen Relikten, die von der der einstigen Blüte des Eisenwerkes für Neunkirchen zeugen. Diese wurden unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten restauriert und weitgehend zugänglich gemacht. Die Führungen über den Hüttenweg, die seit 1991 angeboten werden, erfreuen sich großer Beliebtheit. So nahmen in den vergangenen 5 Jahren durchschnittlich rund 1.000 Personen an den geführten Touren teil, wobei im vergangenen Jahr wegen der Coronabeschränkungen nur rund 200 Teilnehmer begrüßt werden konnten. Aktuell erzählen die zertifizierten Gästeführerinnen Heike Lismann-Gräss – bei Kostümführungen unterstützt von ihrer Tochter Paulina Gräss – und Jutta Schneider Geschichte und Geschichten rund ums Eisenwerk und der Familie Stumm. Die erste Hüttenwegführung 1991 übernahm seinerzeit Marie-Louise Augustin, die bis ins Jahr 2018 als passionierte Führerin dem Hüttenweg die Treue hielt.

Eine geführte Tour auf dem Hüttenweg startet mit einem kleinen Film von Hans Günther Ludwig, der Einblicke in die mehr als 425-jährige Geschichte des Eisenwerkes gewährt. Am Kutscherhaus und der Stummschen Reithalle geht es vorbei am nicht mehr vorhandenen Stummschen Herrenhaus direkt ins ehemalige Herz der Eisengewinnung, dem Hochofenkomplex. Hier sind noch zwei Hochöfen erhalten. Hochofen VI kann bei Führungen bestiegen werden. Von der oberen Besucherplattform gewinnt man nicht nur einen Eindruck von der einst riesigen Anlage, man hat auch einen herrlichen Weitblick, bei dem nicht zuletzt die Haldenlandschaft von der engen Verzahnung von Kohle und Eisen, also von Grube und Hütte deutlich wird. Erhalten sind neben den beiden Öfen noch die Gebläsehalle mit einer Gebläsemaschine sowie Winderhitzer, die für die Frischluftzufuhr bzw. den Temperaturausgleich gebraucht wurden. Weiter entlang der Eisenstele, die Zeugnis des Stummschen Imperiums ablegt, führt der Hüttenweg am ältesten Teil der Hütte vorbei, dem Hammergraben unterhalb des Kutscherhauses. Hier standen in der frühindustriellen Phase wassergetriebene Schmiedehämmer. Nach dem Parkweiher, der zu Stumms Zeiten Teil eines riesigen Landschaftsgartens war, erreicht man die Stummsche Privatkapelle und den Spitzbunker, in dessen Inneren interessante Details zum Luftschutz im Zweiten Weltkrieg zu finden sind. Wer die große Runde gehen will, folgt dem Weg Richtung Osten zur Stummschen Erbbegräbnisstätte, die im Sinnerthaler Weg erhalten ist. Zurück zum Ausgangspunkt gelangt man durch die Saarbrücker Straße, entlang der Direktorenvillen, der Hüttenschule sowie der Gasmaschinenzentrale, wo Dampf- bzw. Großgasmaschinen den Strom für das Eisenwerk erzeugten.

Im Stadtgebiet gibt es noch einige weitere Denkmäler, die dem Hüttenweg zugerechnet werden, aber im Zuge der rund zweieinhalbstündigen Führungen nicht aufgesucht werden können. So ist in der Königstraße das Ensemble der Meisterhäuser erhalten, die einen Eindruck von der Lebenssituation der höheren Arbeiter vermitteln. An der Christuskirche, deren Gründung auf eine Stiftung Karl-Ferdinand Stumms zurückgeht, stehen das Karl-Ferdinand-Haus sowie das Eisengießer-Denkmal, als Gegenpol zum Denkmal des großen „Hüttenbarons“ Karl-Ferdinand Stumm auf dem nach ihm benannten Stummplatz. Darüber hinaus sind auch in der Goethestraße noch einige Villen erhalten, die ehemals für höhere Beamte dienten.

Zur Geschichte des Neunkircher Eisenwerkes

Im 15. Jahrhundert werden „Ysenschmitten und Kohlegruben im Sinderdale“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1593 ist die Errichtung eines Eisenwerkes durch Graf Albrecht von Ottweiler bezeugt. Nach Zerstörung im 30jährigen Krieg und dem anschließenden Wiederaufbau sind die Erwähnungen des Eisenwerkes von Johann Wolfgang von Goethe (1770, „Dichtung und Wahrheit“ und Adolph Freiherr von Knigge (Briefe aus dem Jahr 1793) historische Zeugnisse der Eisenverhüttung in Neunkirchen. 1806 kauften die Gebrüder Stumm aus dem Hunsrück das Werk und bauten es immer weiter aus. Karl-Ferdinand Stumm, der nach dem Freitod seines Vaters Carl Friedrich als 22-Jähriger in die Leitung des Betriebes einsteigen musste, hat nicht nur die Hütte durch Einsatz technischer Neuerungen zu einem Großbetreib der Stahlindustrie gemacht, sondern auch die Politik der damaligen Gemeinde Neunkirchen und des preußischen Reiches maßgeblich mitgeprägt. Erst 1922, mehr als zwei Jahrzehnte nach Karl-Ferdinands Tod schaffte es der Neunkircher Rat, die Stadtrechte für Neunkirchen zu erlangen. Im 2. Weltkrieg wurde Neunkirchen insbesondere wegen seiner Eisenindustrie, die u.a. für Rüstung und Eisenbahnbau eingesetzt wurde, im Bombenhagel zu 78 % zerstört. Die Kohleförderung wurde nach und nach eingestellt. 1968 wurde die letzte Kohlegrube im Stadtgebiet geschlossen. In den siebziger Jahren kriselte auch die Stahlindustrie, so dass 1982 der letzte Hochofen in Neunkirchen gelöscht, sowie die Stahlwerke und die Kokerei stillgelegt wurden. Tausende verloren ihre Arbeit. Doch das Eisenwerk fertigt hier noch immer hochwertige Stahlprodukte. Heute hat Neunkirchen den Strukturwandel gemeistert und ist das Handels- und Dienstleistungszentrum im östlichen Saarland.

Landkreis Neunkirchen Stummsche Kapelle Hüttenweg
Stummsche Kapelle, Teil des neunkirchner Hüttenweges

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Von |2021-05-17T10:49:24+02:00Mai 5th, 2021|

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